Tag Archives: Stillstand

Herbstmelancholie

2 Dez

Grau in grau, Tag für Tag – die Sonne macht sich rar und die Natur bereitet sich auf eisige Temperaturen vor. In den Städten erleuchten langsam die Weihnachtslichter und in den Geschäften herrscht Hektik und Trubel – will doch jeder dieses Jahr so früh wie möglich alle Geschenke für ihre Liebsten und Bekannten gekauft haben. Und sie mittendrin – fühlt sich wie in einem Zeitraffer. Sie glaubt zu fühlen, wie Sekunden, Minuten, Tage, Woche, Monate, Jahre an ihr vorbeiziehen. Es lähmt sie und es stimmt sie traurig: So viele verpasste Momente in all‘ dieser Hektik und diesem Alltagsstress. Die Adventszeit versetzt so viele in Panik – muss doch alles noch in diesem Jahr erledigt werden – als wäre es das letzte Jahr auf Erden.

Und sie fühlt sich ein wenig schlecht, während sie sich nochmal in ihrem Bett umdreht und die Zeit an sich vorbeiziehen lässt, während vor ihrem Fenster die Menschen so beschäftigt durch die Straßen hetzen und sie einfach nur die Stille um sich herum aufsaugt und zumindest für einen Bruchteil einer Sekunde das Gefühl hat, sie kann die Zeit anhalten – nur sie und diese schon fast greifbare Ruhe.

Für den Bruchteil einer Sekunde die Welt anhalten: Menschen erstarren während ihrem geschäftigen Tun, die Blätter von den Bäumen verharren im Fall, die Uhren bleiben stehen und der Lärm der Straßen verstummt.

Und mit dem ersten Ton des Weckers setzt sich die Welt wieder in Bewegung, doch ihr bleibt dieser Moment Ruhe, von dem sie den Tag über zehren kann, an den sie sich zurückerinnern kann, wenn sich ihr die Welt wieder einmal zu schnell dreht.

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Zeit für Veränderungen

19 Jul

Es ist schon lange her, dass sie ihn das letzte Mal gesehen hat, dass er bei ihr war, sie gemeinesam am Tisch saßen und dass sie ihm gesagt hatte, dass es gemeinsam nicht mehr funktioniert. Lange ist es her, dass sie etwas von ihm gehört hat, dass sie etwas von ihm gelesen hat. Sie ist zufrieden, vermisst ihn kaum noch und sie ist sich sicher, dass es die richtige Entscheidung war.

Und trotz, dass er aus ihrem Leben verschwand, nur noch ein Teil ihrer Vergangenheit ist, merkt sie, es hat sich doch nichts verändert. So sitzt sie noch immer am Tisch, mittlerweile alleine und merkt, dass es lange her, dass sie sich das letzte mal bewegte. Sie schaut aus dem Fenster und denkt: „Seit wann haben wir Sommer?“

Sie steht auf, zieht sich um: Raus aus der Winterkleidung, rein in das Sommerkleid. Sie verlässt ihre Wohnung, tritt auf die Straße; die Sonne, die Wärme, der heiße Asphalt heißen sie willkommen. Sie steht vor ihrer Haustür, beobachtet das Geschehen auf der Straße, Kinder mit ihrem Eis, Mütter mit Kinderwägen, Cabrios, Fahrradfahrer. Es scheint, die ganze Stadt ist auf den Straßen. Sie denkt: „Wie konnte ich nur all das verpassen?“ und sie sagt: „Es ist Zeit für Veränderungen!“ und ein älteres Ehepaar lächelt sie an und sagen: „Ist es das nicht immer, mein Schatz?“

Es ist schon lange her, dass sie das letzte Mal in ihrer Wohnung war, an ihrem Tisch saß, alleine, und darüber nachdachte, dass es schon lange her ist und entschied, ihre Wohnung zu verlassen, dass es Zeit für Veränderungen ist. Sie ist zufrieden, tatsächlich ist sie sogar glücklicher als jemals zuvor und sie ist sich sicher, dass es die beste Entscheidung war!