Tag Archives: Freiheit

Nichts gesucht und doch (nichts) gefunden

22 Nov

Sie suchte nichts, denn sie wollte nichts – zumindest momentan. Zu schwer waren die Lasten der letzten Jahre und zu schwer war es für sie gewesen, diese Lasten nach und nach abzuwerfen. So frei wie sie sich jetzt fühlte – das wollte sie nicht aufgeben. Würde sie jetzt anfangen zu suchen, was würde sie finden? Viel wichtiger jedoch wäre die Frage: Nach was würde sie suchen? Und würde das, was sie finden würde, ihr das Gefühl der Freiheit rauben? Mit welchem Gefühl würde es ersetzt werden? Könnte die Freiheit nicht neben dem neuen Gefühl weiter existieren? Und was würde passieren, wenn sie ohne, dass sie danach suchen würde doch etwas neues finden würde? Was, wenn sie sich neu verlieben würde? Was würde sich ändern?
Diese Gedanken lösten Angst und Panik in ihr aus – sie war noch nicht bereit für erneute Veränderungen. Aus diesem Grund entschied sie für sich bewusst nichts zu suchen! Auf keinen Fall wollte sie etwas finden, dass ihre momentane Lebenssituation auch nur im geringsten stören oder ändern könnte – sollte es noch so positiv sein. Und während sie diese Plan versuchte in die Tat umzusetzen, hielt das Leben ganz andere Pläne für sie bereit.

Heute schaut sie zurück – nach Jahren – und erinnert sich an das Gefühl von damals, das Gefühl von Freiheit, von Unabhängigkeit. All‘ die Veränderungen der letzten Jahre – was haben sie ihr gebracht? Das Gefühl von damals ist mittlerweile verschwunden, doch all‘ das Neue ist mittlerweile zu einem für sie nicht mehr wegzudenkenden Lebensinhalt geworden – es hat ihr so viel gegeben – doch nicht alles was sie bekam war positiv. Heute, während sie zurückblickt spürt sie die Last auf ihren Schultern – lange nicht so schwer wie damals, eigentlich kaum spürbar, aber trotzdem vorhanden. Und sie fragt sich, leise, denn sie traut sich kaum diesen Gedanken laut auszusprechen, ob all‘ das, was sie gefunden hatte, was sie geschenkt bekam, obwohl sie gar nicht danach gesucht oder gar danach gefragt hatte, wirklich alles für sie ist oder doch einfach nichts. Hätte sie vor all‘ dem Neuen einfach die Augen verschließen und an ihrem Plan festhalten sollen?

Wo wäre sie heute?

Ketten

25 Okt

Sie liegt in Ketten; Ketten, die sie fest umschlingen, sich mit jedem Atemzug fester ziehen; Ketten, die ihr fast den Atem rauben, die es ihrem Herz schwer machen weiterzuschlagen; Ketten, die sie einengen, den Raum zum Leben nehmen; Ketten, die so schwer sind, dass sie sich nicht mehr bewegen kann.

Diese Ketten beleiten sie schon länger; erst waren es nur ein paar Glieder; doch mit der Zeit verlängerte sich die Kette, umschling sie mehr und mehr, wurde schwerer und schwerer; aus einer Kette wurden viele und mittlwerweile kann sie sich unter der Last der Ketten nicht mehr rühren, sitzt erstarrt in einer Ecke und sie beginnt zu weinen.

Während ihre Tränen auf ihre Ketten fallen, bildet sich unter den Tränen Rost; sie weint bitterlich, weint um all die vergangenen Zeiten, verlorenen Lieben, erlischten Freundschaften, große Verluste und während sie weint, spürt sie, wie sie leichter wird, wie ihr der Druck von der Brust genommen wird, wie sie Stück für Stück freier atmen kann.

Sie atmet tief ein, sprengt die Ketten, atmet aus, atmet erneut ein und spürt das Leben, welches durch ihren Körper strömt, sie von innen wärmt, sie mit neuer Energie durchflutet. Vor ihren Füßen die zerbrochenen Glieder der Ketten; Ketten der Vergangenheit.