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Die Hoffnung stirbt (zuletzt)

20 Sep

Sie schrieb sich alles von der Seele, schrieb endlose Zeilen über ihre Gefühle, ihre Ansichten und den Kummer, der sie die letzten Wochen fast in den Wahnsinn trieb; so schrieb sie, was sie für ihn fühlte, nein, noch immer fühlt, welche Kompromisse sie mit sich selbst einging und welche Ergebnisse daraufhin folgten, wie sehr diese Ergebnisse sie verletzten und wie sehr sie sich alles anders wünscht; sie schrieb ohne darüber nachzudenken, schrieb sich einfach alles von der Seele und noch bevor sie über das Richtig oder Falsch entscheiden konnte drückte sie auf „Senden“; die Nachricht nun unaufhaltsam Richtung Empfänger, starrte sie weiterhin den Bildschirm ihres Laptops an, versuchte zu verstehen, was sie gerade getan hatte und als sie es verstand, fiel eine unbeschreiblich große Last von ihren Schultern. Plötzlich fühlte sie sich befreit von all‘ ihrem Kummer, der ihr all‘ die Wochen solche Schmerzen bereitete und sie war sich sicher, dass sie nun endlich mit reinem Gewissen einen Neuanfang starten konnte und so buchte sie ihre Zugtickets, ihre Unterkunft, schloss den Laptop und genoss die Stille, die Stille in ihrem Herz und ihrem Kopf, plante ihren Urlaub, schrieb in ihren Kalender all‘ die Dinge, die sie noch zu entscheiden hätte, Dinge, die ihre Arbeit betrafen, Dinge, die sie in ihrem Leben ändert wollte. Sie hatte noch sieben Tage Zeit bis ihr Zug losfuhr, sieben Tage, bis sie in Ruhe und weit entfernt von ihrem Alltag alles nochmal neu überdenken konnte.

Nach drei Tagen erhielt sie eine Nachricht, eine Nachricht, die sie ins zweifeln brachte, denn sie war sich so sicher, alles richtig gemacht zu haben und plötzlich schien alles wie auf den Kopf gestellt, es war ein einfacher Anruf eines Freundes, ein Anruf, wie sie ihn oft erhält, doch die Botschaft war diesmal eine andere und sie brauchte ein wenig, bis sie sie verstand. „Kämpfe um ihn!“ Und als sie die Botschaft verstand, wünschte sie sich, sie hätte den Anruf niemals erhalten. Sie versuchte herauszufinden was sie tun sollte, befragte ihr Herz, welches strahlte, befragte ihren Verstand, welcher den Kopf schüttelte, befragte das Bauchgefühl, welches Angst hatte; völlig verwirrt nahm sie ihren Laptop, schaltete ihn ein, starrte eine gefühlte Ewigkeit auf den Bildschirm, schrieb erneut eine Nachricht, sendete sie ab und klappte den Laptop wieder zu. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals während ihr Verstand triumphierend jubelte und ihr Bauchgefühl vor Panik schrie; „Was habe ich bloß getan?“, fragte sie sich immer und immer wieder, als sie jedes Zimmer immer und immer wieder in ihrer Wohnung ablief; sie gab die Entscheidung in seine Hände, sie gab die Kontrolle ab und so stark sie sich im ersten Moment fühlte, so wurde ihr von Tag zu Tag mehr bewusst, was das zu bedeuten hatte: Sie konnte nichts mehr an der Situation ändern, sie hatte keine Möglichkeit mehr, das Ruder noch rumzureißen, sie konnte einzig und alleine warten, hoffen und warten. Sie hatte ihm eine Deadline gesetzt, bis zu ihrer Abreise und die Tage vergingen und sie wusste nicht mehr was sie noch denken und fühlen sollte, schwankte zwischen Wut, Hoffnung, Trauer, Erleichterung und tiefem Schmerz bis der letzte Abend anbrach und sie bei der völligen Verzweiflung angelangt war. „Was habe ich bloß getan?“, fragte sie sich immer und immer wieder, als sie jedes Zimmer immer und immer wieder in ihrer Wohnung ablief anstatt die Koffer zu packen. Sie wünschte sich, sie hätte mehr Zeit, er hätte mehr Zeit, sie alle hätten mehr Zeit.

Als sie am Tag der Abreise, übermüdet und erschöpft am Bahnhof stand, mit ihren gepackten Koffern und einer riesigen Last auf ihren Schultern, so wünschte sie sich nichts sehnlicher, als das ihr Handy klingelte und eine Nachricht einging. Sie spürte ihr Herz bis zum Hals schlagen, sie war unglaublich nervös und konnte keinen klaren Gedanken fassen; jede Minute, die sie auf den Zug wartete, fühlte sich wie eine Sekunde an, alles schien wie im Zeitraffer zu verlaufen, die Zeit entrann ihr und als der Zug im Bahnhof einfuhr, spürte sie nun einmal mehr wie erneut ihr Herz brach, sie erneut diese endlose Trauer spürte, wie erneut ihre Hoffnung starb.

Nichts ist vergleichbar

18 Aug

Ihr Kopf tut weh, die Welt dreht sich und ihr schmerzen die Augen trotz geschlossener Lider. Ihr ist schlecht, sie hat Durst und sie versucht sich zu erinnern, jedoch ist das einzige, was sie im Moment weiß, dass die Nacht wohl ziemlich lang gewesen sein muss, dass sie wohl ein Glas zu viel getrunken haben muss.
Langsam öffnet sie die Augen, die Sonne schreit ihr ins Gesicht. Sie blinzelt, versucht sich aufzusetzen und sieht sich im Raum um. „Ich bin daheim, wenigstens das“, denkt sie.
Neben ihr liegt ein Mann, den sie kaum, ein paar Stunden vielleicht, kennt. Sie schüttelt den Kopf und geht ins Bad.

Während sie unter der Dusche steht hört sie die Haustür. Erleichtert atmet sie auf. Das Wasser wäscht den Dreck der vergangenen Nacht von ihrem Körper. Sie schließt die Augen, hält ihr Gesicht in den Duschstrahl, wünscht sich, dass das Wasser auch den Dreck aus ihrem Kopf wäscht, die Gedanken den Ablauf hinterlaufen lässt, doch nichts passiert.

In einem Handtuch gehüllt steht sie am Waschbecken. Als sie in den Spiegel blickt kommen ihr die Tränen. Sie kann sich nicht mehr daran erinnern wann das alles angefangen hatte, aber den Grund vergisst sie nie. Wenn sie die Augen schließt spürt sie ihn noch immer, hört seinen Atem, seine Stimme, spürt seine Arme, wie sie ihren Körper fest umarmen, spürt seine Wärme auf der Haut und ihre Liebe, welche sie noch immer für ihn fühlt. Sie erinnert sich an den Schmerz, als sie erfuhr, dass er sich für eine andere Frau entschieden hatte und nachdem der Schmerz nicht aufhören wollte zu pochen, machte sie sich auf die Suche.

Sie sucht einen Mann, bei dem sie sich im Arm genauso wohlfühlt, der ihr die gleiche Wärme schenkt, der genauso liebevoll und zärtlich ist, der genauso mit ihr lachen kann und sie genauso versteht.

„Noch einmal das spüren dürfen, was er mich spüren ließ. Nur diesen einen Wunsch! Ich will wieder glücklich lieben!“

Sie läuft zurück in ihr Schlafzimmer, nimmt einen Zettel von ihrem Bett und zerknüllt ihn ungelesen in der Hand und während sie die Tränen aus dem Gesicht wischt und den Zettel in den Mülleimer wirft, weiß sie nur zu genau, dass sie diesen Mann nie finden wird, denn sie hatten ihn bereits gefunden und ohne Worte wieder gehen lassen.

Während sie in seinem Arm liegt

28 Jul

Er streichelt über ihren Rücken, während sie in seinem Arm liegt, mit ihrem Kopf auf seinem Brustkorb und seinem Atem lauscht, seine Herzschlag spürt. Während seine Finger über ihre Haut fahren, sie zärtlich berühren, spürt sie den Schauer, wohlig warm, wie er den Rücken runter läuft, bis zu ihren Lenden. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und Gedanken: Sie fühlt, dass sie ihn will,dass sie ihn spüren will, dass sie ihn mehr als nur ein bisschen gern hat, dass sie sich ihm hingeben möchte, dass er für sie der einzige Mann ist und sie die Zeit auf ewig anhalten möchte; Sie denkt, dass sie es nicht zulassen sollte, dass sie nur Freunde sind, dass er ihre Gefühle auch nach dieser Nacht nicht erwidern wird, dass sich für ihn nichts ändern wird, dass er das nicht der Liebe wegen macht.

Er streichelt über ihre Hüften, während sie in seinem Arm liegt, mit ihrem Kopf auf seinem Brustkorb und seinem Atem lauscht, seinen Herzschlag spürt. Während seine Finger über ihre Haut fahren, sie zärtlich berühren und ihren Weg bahnen, der mittlerweile nur all zu deutlich ist, spürt sie, wie ihre Gefühle ihre Gedanken verstummen lassen, der Verstand schwindet und sie machtlos gegen ihr Verlangen ist. Alles was sie in diesem Moment will, ist ihn spüren, festhalten.

Er hält sie fest, während sie in seinem Arm liegt, mit ihrem Kopf auf seinem Brustkorb und seinem erschöpften Atem lauscht und seinen hastigen Herzschlag, der langsam beginnt sich wieder zu beruhigen, spürt. Während er sie fragt, ob alles in Ordnung ist, würde sie gerne schreien, dass sie ihn liebt, dass sie für immer in seinem Arm liegen will und dass sie diese Ungewissheit nicht mehr länger erträgt, stattdessen nickt sie erschöpft und schließt die Augen.