Und plötzlich war es weg

22 Okt

Es sollte ihr letztes Treffen werden; sie hatte es tagelang geplant, mit ihren Freundinnen darüber diskutiert, jeden einzelnen Satz, den sie sagen wollte, immer und immer wieder im Kopf abgespielt, korrigiert, verändert bis hin zur Perfektion, denn sie wollte dem Ganzen ein Ende setzen; ein Ende ähnlich einem Suizid mit dem Unterschied, dass nicht sie selbst sondern die Liebe zu ihm sterben sollte und um dies zu bewirken brauchte sie dieses letzte Treffen, von dem sie sich Klarheit in Form von harten, unverfälschten Worten erhoffte; Worte, die nur er ihr sagen konnte, denn nur er kannte die Antworten auf ihre Fragen, die schon viel zu lange unbeantwortet in ihrem Kopf waren und sie beinah um den Verstand brachten.

„Er muss mir sagen, dass er mich nicht will, dass er mich nicht liebt! Nur er kann den Schlussstrich ziehen und das ganze Drama, mein Gefühlschaos, beenden. Er muss es sagen und ich bekomme ihn dazu, es zu sagen!“, flüstert sie immer und immer wieder vor sich hin während sie auf dem Weg zu dem besagten letzten Treffen ist und sie wird zunehmend nervöser, wird unsicher, spürt, wie sie zu zittern beginnt und spricht sich immer wieder neuen Mut zu, denn sie ist sich sicher, dass dies die letzte Chance ist, die letzte Möglichkeit, wieder glücklich zu leben und irgendwann auch wieder glücklich lieben zu können, hiefür muss sie jedoch die Chance nutzen.

Als sie sich gegenüber sitzen, schweigen, Kaffee trinken und sie sich fragt, ob sie den Mut hat den Anfang zu machen, so entscheidet sie sich zunächst die Stille auszuhalten, auszuharren, zu warten, wer die Stille als erstes nicht mehr erträgt; und sie nutzt diese Zeit um ihn zu mustern, äußerlich, innerlich, und das „Etwas“ zu suchen, das ihr den Verstand geraubt hatte, ihr Herz stiehl; und wie sie ihn so ansieht und sucht, vergeblich, es nicht glauben mag, von neuem beginnt zu suchen, immernoch nichts findet, tief in sich hört und feststellt, dass das Herzklopfen aufgehört hat, dass die Schmetterlinge im Bauch verschwunden sind, so stellt sie fest, dass es vorbei ist: Sie hat das Gefühlschaos überwunden und dafür waren keine klaren Worte nötig, keine Antworten auf ihre Fragen, es war einzig und allein die Stille nötig, die ihr ermöglichte, ihre Liebe zu ihm zu reflektieren.

Und plötzlich war es weg: Das Gefühlschaos, das Liebeskummer, die schreckliche Trauer, die Wut, die Enttäuschung, der Schmerz, die Panik und schlussendlich auch die Liebe. Zurück bleibt eine schmerzvoll schöne Erinnerung an eine vergangene Liebe.

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6 Antworten to “Und plötzlich war es weg”

  1. thesmellofgreen 22. Oktober 2013 um 23:59 #

    Wo gehen Gefühle hin, wenn sie verschwinden? Was ist der Unterschied zwischen Liebe auf Zeit und Liebe für immer? Das Thema macht mich fertig… http://singleaufbewaehrung.wordpress.com/2013/09/18/unsachliche-romanze/

    • girlstalkingabout 23. Oktober 2013 um 00:04 #

      Danke für deine Worte. Manchmal frage ich mich ob es wirklich die Liebe auf Zeit gibt oder ob man nicht einfach irgendwann auf Grund verschiedenster Umstände resigniert, abstumpft und die Liebe mit anderen Gefühlen überdeckt, bis man die Liebe nicht mehr findet… vielleicht auch, weil man nicht so weit „graben“ möchte…

      • thesmellofgreen 23. Oktober 2013 um 00:08 #

        Hmm interessanter Blickwinkel. Ich kann es mir eher andersrum vorstellen. Ich will lieben, so sehr, dass ich mir die Liebe einbilde, wo sie nicht ist. Andererseits: Wenn ich glaube, dass ich liebe, dann tue ich es doch auch, oder?

      • girlstalkingabout 23. Oktober 2013 um 00:14 #

        Auch diesen Gedanken hatte ich bereits in Erwägung gezogen und bin zu dem gleichen Entschluss gekommen: Wenn ich glaube, dass ich liebe, dann liebe ich auch. Beginnt die Liebe nicht meist mit dem Gefühl „was ist das?“, bis man diesem Gefühl den Namen „Liebe“ gibt? Während ich das so schreibe, frage ich mich, ob man vielleicht gar nicht weiß, wie sich die Liebe anfühlt… dies jedoch lässt meine Gedankengeänge um einiges komplizierter erscheinen.

      • thesmellofgreen 23. Oktober 2013 um 00:23 #

        Ja, das geht dann zu weit. Namen für Gefühle entstehen ja einfach nur dadurch, dass jemand beschreibt, wie es ihm geht und ein anderer sagt „Hey, das kenne ich“. Was ist also Liebe und wie muss es sich anfühlen? Man hat mir mal gesagt, dass es nicht Liebe ist, wenn man zweifelt. Also warte ich darauf, dass ich irgendwann nicht mehr zweifle.

      • girlstalkingabout 23. Oktober 2013 um 00:28 #

        Das ist eine gute Strategie und weise Worte! Vielleicht sollte ich mir diese auch mal zu Herzen nehmen. Danke hierfür! 🙂

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