Flucht

29 Aug

Sie fühlt sich einsam, würde sich gerne an eine starke Schulter lehnen, Zuspruch erhalten, geliebt werden. Stattdessen sitzt sie alleine daheim vor dem Fernseher, beobachtet das Geflimmer, ist Kekse, raucht Zigaretten und trinkt ein Glas Wein. In ihr verstärkt sich seit Wochen das Gefühl, dass alles was sie anfasst, alles was sie plant und alles was sie sich wünscht, zum Scheitern verurteilt ist. „Bin ich zum Scheitern verurteilt?“, fragt sie sich nachdenklich, während sie erneut ihr Glas füllt. Sie beobachtet den Wein in ihrem Glas, nimmt das Glas in die Hand, schwenkt den Wein darin, riecht daran, stellt das Glas wieder hin und greift nach den Zigaretten. Der blaue Dunst, der von ihrer brennenden Zigarette aufsteigt, bildet Kringel und Kreisel, während im Hintergrund noch immer der Fernseher läuft. Sie fühlt sich verstoßen, hat das Gefühl ihr Selbst verspottet sie. Während sie die letzten Wochen immer und immer wieder versuchte ihr Leben neu zu ordnen, wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, machten sich immer mehr Baustellen auf, bis sie in Mitten dieser Baustellen saß und nicht mehr wusste wo sie anfangen sollte. Nun sitzt sie noch immer in Mitten dieser Baustellen nur dass sich mittlerweile Flaschen Wein und Schachteln Zigaretten hinzugesellt haben. Sie fühlt sich wie gelähmt, weiß weder ein noch aus; all die Arbeit an diesen Baustellen haben ihr so viel Energie geraubt, dass sie keine Kraft mehr hat weiter zu arbeiten, dass sie keine Kraft mehr hat nach einem Ausweg zu suchen. „Eine rettende Hand, ein Mensch, ein Zeichen, damit ich weiß, wolang ich gehen muss“, denkt sie und blickt sich suchend im Raum um. Nichts. Und plötzlich entdeckt sie eine Postkarte und sie weiß was zu tun ist. Sie steht auf, verlässt die Baustellen, nimmt ihre Koffer und verreist, verlässt ihr jetziges Leben, flüchtet vor all den Baustellen und besucht neue Länder, neue Städte, sammelt neue Eindrücke, lernt neue Menschen kennen und schöpft wieder Energie für den Moment, wenn sie zurückkehren wird, zu ihren Baustellen, ihren zerbrochenen Wünschen und Plänen, ihrem gewohnten Alltag. Doch wann dieser Moment sein wird, das weiß sie selbst nicht.

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2 Antworten to “Flucht”

  1. Faktoid 29. August 2013 um 16:25 #

    Samuel Beckett schrieb einmal: Wieder versuchen / Wieder scheitern / Besser scheitern
    Daran sollte man sich wieder und wieder versuchen. Jeder von uns.

    • girlstalkingabout 29. August 2013 um 16:30 #

      Ein so passendes Zitat. Vielen Dank für deine Worte; ja, man sollte das Versuchen nicht unterlassen.

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