Verpasster Moment

22 Aug

Er war der erste Mann, der ihr auffiel, in diesem dunklen Club, zwischen der feiernden Menge, den bunten Lichtern, der stickigen Luft und der viel zu lauten Musik. Sie konnte nicht aufhören ihn anzusehe, wie er so vor sich hintanzend aus der Menge ragte, als wäre einzig und allein alle Lichter auf ihn gerichtet. Gerne würde sie sich mit ihm unterhalten, ihn kennenlernen, diesen Mann, der ihr auf Anhieb so gut gefiel. Stattdessen dachte sie: „Wahrscheinlich sieht er mich nicht einmal und wenn ich jetzt zu ihm rüber gehe mache ich mich nur lächerlich.“ Und sie erinnerte sich an all die letzten Männer, all die Männer, die sie angesprochen hatte und sie wünschte sich, auch einmal angesprochen zu werden; einmal möchte sie erobert werden anstatt sich den Männern vor die Füße zu werfen.

Er war schon eine Zeit lang hier, als diese Frau den Raum betrat. Es war die erste Frau, die ihm auffiel, in diesem dunklen Club, zwischen der feiernden Menge, den bunten Lichtern, der stickigen Luft und der viel zu lauten Musik. Er konnte nicht aufhören sie anzusehen, wie sie begann sich zur Musik zu bewegen, so sinnlich und besonders, als würde die Tanzfläche nur ihr gehören. Während er sie beobachtete überlegte er, wie er sie ansprechen könnte, diese Frau, die ihm auf Anhieb so gut gefiel und er erinnerte sich an all die anderen Frauen, die er angesprochen hatte, die er erobert hatte und die ihn schmerzhaft fallen ließen.

Es war schon eine Zeit lang her, als sie ihn auf der Tanzfläche entdeckte. Sie saß mittlerweile an der Bar, beobachtete ihn in mitten der tanzenden Leute und versuchte sich verzweifelt Mut und Selbstbewusstsein anzutrinken. Doch mit jedem Schluck aus ihrem Glas nahm sie Zweifel zu sich, welche in ihrem Kopf zu kreisen begannen: Sie würde so gerne angesprochen werden, fragte sich jedoch, ob sie hübsch genug ist um aufzufallen; sie mochte so gern erobert werden, fragte sich jedoch, ob sie es wert war, dass jemand um sie kämpft; sie wollte so gerne jemand ganz besonderen kennenlernen, fragte sich jedoch, ob sie jemand ganz besonderen überhaupt verdient hatte. Und während sie so auf die Tanzfläche starrte, sah sie, wie er mit einer Frau sprach, so vertraut und liebevoll, und wie sie sich gemeinsam Richtung Ausgang bewegten und sie war enttäuscht, blieb sitzen, allein, bestellte sich noch einen Drink und verabschiedete sich in Gedanken von diesem Mann und seiner Frau.

Die Frau, die ihm jeglichen Verstand raubte, saß mittlerweile an der Bar. So hübsch und selbstbewusst, als wäre sie schon immer an dieser Bar, als wäre sie keine Fremde in mitten von Fremden. Es wäre so einfach, denkt er sich. Er müsse nur rüber gehen, ihr Feuer geben oder sie auf einen Drink einladen. Doch er kann nicht. „Nur einmal möchte ich erobert werden. Es ist so anstrengend, immer zu kämpfen, zu hoffen, zu wünschen und dann am Ende doch alleine zu sein.“ Und als seine Schwester zu ihm kommt, ihm sagt, dass sie fahren möchte, weil sie morgens füh raus muss, nickt er nur und verabschiedet sich in Gedanken von dieser wunderschönen Frau an der Bar, die er vermutlich nie mehr wiedersehen wird.

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