Die Eine

4 Jul

Sie sitzt am Steuer, neben ihr, der Mann, dem sie so gern ihr Herz schenken möchte. Ob er es weiß? Nein, aber vielleicht ahnt er es. Sie denkt, er müsse es wissen, doch sicher ist sie sich nicht. Ob sie es ihm sagen will? Vielleicht, aber nur im richtigen Moment und wann der ist, dass weiß sie nicht.

So fahren sie, auf dem Weg zu einer kleinen Feier. Ihr ist es egal, wohin sie fahren, hauptsache, sie ist bei ihm. Ob er das gleiche denkt? Das weiß sie nicht.

Angekommen, läuft er vor, verschwindet hinter einer Ecke und sie hört, wie er Menschen begrüßt, hört wie er sagt: „Ich habe noch jemanden dabei“, hört wie geantwortet wird: „Hoffentlich nicht die vom letzten Mal!“ Sie denkt: „Bin ich gemeint?“, Gedanken in Lichtgeschwindigkeit, „Wenn ich nicht die bin, wer ist sie dann?“, ihre Ohren beginnen zu rauschen, „Wenn ich mich jetzt umdrehe und gehe, es wird sicher eine Zeit dauern bis es auffällt“, sie blickt auf ihren Autoschlüssel, der in ihrer Hand liegt, „Will ich wissen, wer die andere ist?“, sie läuft ihm hinterher. „Nein, du bist es!“, wird sie begrüßt und der Boden verschwindet unter ihren Füßen. Sie sagt: „Schön dich wiederzusehen!“, sie denkt: „Wer ist die andere?“

Sie sitzen beisammen, lauschen der Musik, wärmen sich am Feuer und unterhalten sich. Sie beobachtet die Menschen, lauscht den Unterhaltungen und verliert sich in den Flammen während ihre Gedanken sich überschlagen. Sie fragt sich noch immer, wer die andere ist, stellt fest, dass er sie und nicht die andere mitgenommen hat, freut sich über diesen Gedanken, fragt sich jedoch, ob die andere keine Zeit hatte und fragt sich anschließend: „Bin ich zu leicht zu haben?“

Er verscshwindet im Haus. Sie wird gefragt: „Was läuft da zwischen euch?“ Sie zuckt die Schultern: „Nichts“, es wird geantwortet: „Schade“ und sie denkt: „Schade!“

Er sitzt mit dem Rücken schräg gegenüber von ihr. Sie wird zu einem Gespräch eingeladen. „Wie läuft es bei dir und den Männern?“ Sie bereut es, die Einladung angenommen zu haben. Sie beobachtet ihn, fragt sich, ob er sich ebenfalls in den Flammen verliert oder aber, ob er mithört. Sie entscheidet sich für die zweite Variante und zuckt abermals mit den Schulter: „Ach, frag nicht“ und fragt dem Anstands halber: „Und bei dir?“ Und sie hört, wie ihr erzählt wird, wie wunderschön alles ist, wenn es erst einmal auf Ehrlichkeit beruht und sie denkt, wie Recht die Person doch hat und wünscht sich, auch so etwas wunderschönes zu haben. Und sie hört, wie ihr erzählt wird, wie wunderschön all‘ die Frauen sind und sie denkt, wie schrecklich das für all‘ die wunderschönen Frauen sein muss, die alle teilen müssen.

Und wie sie so im Auto sitzen und wie sie ihn so ansieht, und alles so perfekt scheint, beschließt sie, weiterhin zu schweigen denn ihr fällt die andere wieder ein und sie denkt: „Ich will nicht eine der wunderschönen Frauen sein, sondern die eine wunderschöne Frau!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: